biko

Beratung – Information – Kostenübernahme bei Verhütung

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Mit biko erhalten Frauen mit wenig Geld rezeptpflichtige Verhütungsmittel kostenfrei.

Die Evaluation des Modellprojekts biko wurde vom unabhängigen Institut „Camino Werkstatt für Fortbildung, Praxisbegleitung und Forschung im sozialen Bereich gGmbH“ durchgeführt und basiert auf einem Methodenmix aus quantitativen und qualitativen Erhebungen. Das wissenschaftliche Team erhob die Daten in der Kernlaufzeit des Projekts vom 1. Juli 2017 bis zum 30. Juni 2018 und wertete diese anschließend aus.

Für wen konnte der Bedarf festgestellt werden?

  • Die erreichten Frauengruppen sind heterogen. Ein Bedarf an kostenfreier Verhütung und Beratung besteht nicht nur bei jungen Frauen in der Ausbildungsphase und auch nicht ausschließlich bei Frauen im Transferleistungsbezug.
  • Frauen, die trotz Berufstätigkeit nur über ein geringes Einkommen verfügen, waren die zweitgrößte Nutzerinnengruppe, anschließend folgten die BAföG-Empfängerinnen. Der Bedarf an Verhütung ist mehrheitlich dort gegeben, wo bereits Kinder leben.

Abbildung 1: Altersgruppen der Klientinnen in Erstberatungsgesprächen in Q III 2017 –
Q II 2018 (N = 3.046) (Abweichung von 100 % aufgrund von Rundungsfehlern)

Abbildung 2: Anspruchsberechtigung in Erstberatungsgesprächen in Q III 2017 – Q II 2018 standortübergreifend (N=3.046)

Schlussfolgerung:

Die Ergebnisse zeigen, dass eine Altersbeschränkung, wie sie aktuell im § 24a SGB V existiert, nicht sinnvoll ist. Auch sollten Geringverdienerinnen und BAföG Empfängerinnen bei einer bundeseinheitlichen Lösung mitgedacht werden.

Welche Verhütungsmittel wurden nachgefragt?

  • Legt man die erstmaligen Kostenannahmen zugrunde, war die Nachfrage nach Langzeitverhütungsmitteln wie die Hormon- oder Kupferspirale am größten. Jedoch wurde auch die Pille stark nachgefragt. Das jeweils passende und verträgliche Verhütungsmittel ist individuell.
  • In den qualitativen Interviews äußerte die Hälfte der befragten Frauen, dass sie ohne Kostenübernahme für das gewünschte Verhütungsmittel nicht oder weniger sicher verhüten.

Abbildung 3: Verteilung Kostenübernahmen gesamt bei Erstkontakt (N = 2.524 n = 2.370 wegen KÜ-Ablehnung) in Prozent in Q III 2017 – Q II 2018 (Abweichung von 100 % aufgrund von Rundungsfehlern)

Schlussfolgerung

Individuell das passende und verträgliche Verhütungsmittel wählen zu können, ist für sichere Verhütung von Frauen wichtig.

Welche Barrieren wurden identifiziert?

  • Als strukturelle Barrieren wurden lange Wege und Fahrtkosten in die Beratungsstelle und Wartezeiten für Termine aufgrund der großen Nachfrage im Zugang zum Angebot identifiziert.
  • Die Prüfung der Anspruchsberechtigung war für Frauen eine Hürde, da sie mit Scham und Angst vor Stigmatisierung verbunden war.
  • Im Vorfeld des Projektes wurden geringe Deutschkenntnisse und besondere Bedarfe aufgrund von Beeinträchtigungen als mögliche Barrieren angenommen.

Schlussfolgerungen

Das Verfahren im Rahmen einer bundeseinheitlichen Lösung muss aus diesem Grund
niedrigschwellig und für alle leicht zugänglich gestaltet werden.

Im Modellprojekt wurden niedrigschwellige Maßnahmen erprobt, die gut angenommen
wurden: Videodolmetschen war an den Standorten verfügbar, Informationsmaterialien lagen in verschiedenen Sprachen sowie in Leichter Sprache vor.

Wie wurde die Verhütungsberatung angenommen?

  • Ein Großteil der Frauen, die eine Kostenübernahme erhielten, nutzte das Angebot der freiwilligen Verhütungsberatung. Mehrheitlich standen Informationen zu Verhütungsmitteln und Fragen zur gesundheitlichen Verträglichkeit im Vordergrund. Das konnte eine kurze Nachfrage zum Einnahmeschema der Pille bedeuten oder ein Gespräch über das Ausbleiben der Periode bei der Hormonspirale. Es konnte aber auch ein ausführliches, einstündiges Beratungsgespräch zu Verhütungsentscheidungen im Zusammenhang mit Sexualität, Partnerschaft, Erkrankungen oder sozialrechtlichen Fragen sein.
  • Die Kooperationspartner im Modellprojekt, Apotheker/-innen und Frauenärzt/-innen, hielten das ergänzende Beratungsangebot mehrheitlich für sehr sinnvoll (vgl. Abschlussbericht Kapitel 6.2).

Schlussfolgerung

Es besteht ein Bedarf an ergänzender Verhütungsberatung zur ärztlichen Beratung. Das Angebot einer freiwilligen Verhütungsberatung sollte durch eine gemeinsame Weiterentwicklung der Zusammenarbeit von Frauenarztpraxen, Apotheken, Schwangerschaftsberatungsstellen und Facharbeitskreisen gestärkt werden.

Detaillierte Informationen zu den Ergebnissen finden Sie im Kurzbericht bzw. im Abschlussbericht.

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